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Wie entstehen Hörverarbeitungsstörungen?

Hörverarbeitungsstörungen können nach schweren Erkrankungsprozessen auftreten. Hauptsächlich liegen die Ursachen aber in Entwicklungs- Störungen oder tiefenpsychologischen, traumatischen Ursachen, die weit in die frühe Kindheit zurückreichen, oft sogar bis in die vorgeburtliche Zeit im Mutterleib.

Das Ohr des Kindes im Mutterleib ist als erstes seiner Sinnesorgane bereits Mitte der Schwangerschaft vollständig entwickelt. Lange vor allen anderen Sinnesorganen, lange vor der Ausreifung des Gehirns und des Nervensystems. Es muss sein ganzes Hörgefüge zunächst einmal auf alle Geräusche einstellen, die es sowohl im Bauch seiner Mutter als auch von außen wahrnimmt. Bald wird es den Herzschlag seiner Mutter heraushören und ab jetzt zunehmend lernen, diesen pochenden Rhythmus von den gurgelnden Magen-, Darmgeräuschen, den Geräuschen der Atmung, der Blutgefässe und Gelenksbewegungen seiner Mutter zu unterscheiden. Vor allem wird das Kind im Mutterleib auf eine Stimme »hinhören«, die es ab Mitte der Schwangerschaft mit lebenswichtiger Energie versorgen wird – die Stimme der Mutter, die durch die Vibration des Kehlkopfes über die Wirbelsäule und das Becken zum Ohr des Kindes im Mutterleib gelangt.

"Wenn man die vorgeburtliche Wahrnehmung untersucht, muss man unterscheiden zwischen dem akustischen Milieu, was das Kind im Mutterleib umgibt und dem, was es in diesem Durcheinander von Geräuschen zu entschlüsseln vermag. Sein Gehör wird selektiv die Töne aufnehmen, für die es bestimmt ist, das heißt, die es kodieren und dekodieren kann. Das »Ohren-spitzen« wird zum ersten Akt der Wahrnehmung. Das Kind beginnt zu lauschen. Während das Fruchtwasser nur die tiefen Töne durchlässt, hat sich das Ohr des noch nicht geborenen Lebens auf die hohen Frequenzen spezialisiert. Alle lebenswichtigen Informationen liegen in den höheren Frequenzen verborgen. Also muss das Kind im Mutterleib die Fähigkeit ausbilden, diese aus allen Störgeräuschen herauszuhören"
(Alfred Tomatis).

Es ist nicht schwer sich vorzustellen, dass die benötigten akustischen Einflüsse für das werdende Leben von großer Bedeutung und entscheidend für die Entfaltung seines Befindens und seiner wachsenden letztlich psychomotorischen und psycholinguistischen Reifung sind. Die Ursachen für ein verfälschtes Ankommen oder das Ausbleiben wichtiger akustischer Impulse können in Krankheiten der werdenden Mutter liegen, in ihrem seelischem oder emotionellen Befinden, in Suchtproblemen, Genschäden, in Geräusch- und Schalleinwirkungen, die von außen auf die Mutter und damit auf das werdende Leben wirken, usw. Belegt wird das auch durch Befragungen von Müttern, sowie Beobachtungen und Untersuchungen von Fachärzten und -therapeuten.

Das Kind im Mutterleib muss Geborgenheit fühlen, es muss emotionellen Kontakt mit seiner Mutter haben und die Stimme seiner Mutter als angenehme Hörerfahrung erleben können, damit Fehleinflüsse keine Wirkung haben. Andererseits wird es seelisch so die ersten Erlebnisse von Verlust und Alleinseinsängsten empfinden. Wenn das Ur-Vertrauen in dieser frühen Phase der Entwicklung nicht erlebt und cortikal gespeichert werden kann, wird sich dieser Mensch nur mit gewissen Einschränkungen entwickeln können. Das negative Ur-Gefühl kann ihn ein ganzes Leben begleiten, sofern es nicht zu einer Aufarbeitung dieses Ur-Schmerzes kommt.




Bald kann das Kind im Mutterleib die Gefühle seiner Mutter unterscheiden und deutlich erkennen, ob seine Mutter ausgeglichen, traurig, gereizt oder gar verzweifelt ist. Tomatis untersuchte die Wahrnehmung des Kindes im Mutterleib und kam zu dem Ergebnis:

"Bei diesem intrauterinen Hören kommt es jedoch noch nicht auf das Gesagte, also den semantischen Inhalt an, sondern auf die Tonlage, die Sprachmelodie, die Klangfarbe und den Sprechrhythmus" (Alfred Tomatis).

 

 

 

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